2 repräsentativen Studien

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Aktuelle Version vom 13:39, 13. Apr. 2006

Die repräsentative Studie „Journalismus in Deutschland“ (Weischenberg/Löffelholz/Scholl 1998), die auf der konstruktivistischen Systemtheorie aufbaut, sowie die Sozialenquete ost- und westdeutscher Journalisten (Schönbach/Stürzebecher/Schneider 1994), die im empirisch-analytischen Theoriekonzept verankert ist. Beide Untersuchungen stellen die Datengrundlage über den deutschen Journalismus auf ein solides Fundament. Nach den Befunden dominieren im Selbstverständnis deutscher Journalisten das Rollenselbstbild des neutralen Vermittlers sowie ein insgesamt pluralistisches Rollenverständnis. Anders als von Vertretern des legitimistischen Empirismus behauptet, besitzt der Journalismus als Vierte Gewalt dagegen eine untergeordnete Bedeutung.

Neben dem zentralen Befund, dass sich mehr als drei Viertel aller deutschen Journalistinnen und Journalisten vor allem als „neutrale Vermittler“ verstehen, die ihr Publikum schnell und präzise informieren wollen, zeigen die Studien weitere wichtige Ergebnisse. Zwar wollen knapp zwei Drittel der Journalisten Missstände generell kritisieren. Sobald aber die Kritik- und Kontrollfunktion des Journalismus definitorisch zugespitzt wird, sinkt die Zustimmung der Journalisten: Als „Gegenpart zur Politik“ versteht sich noch etwa ein Drittel der Journalisten, als „Gegenpart zur Wirtschaft“ nur ein gutes Viertel, lediglich ein knappes Fünftel will die politische Tagesordnung beeinflussen. Journalismus als „vierte Gewalt“ hat demgegenüber im Selbstverständnis deutscher Journalisten nur eine komplementäre Bedeutung.

Generell lassen sich, auf der Basis einer Clusteranalyse, sechs Typen von Journalisten unterscheiden:

1. Die „Ratgeber“ bilden die größte Gruppe (21 Prozent): Sie wollen Ideale vermitteln, Lebenshilfe bieten, neue Ideen vermitteln und unterhalten.

2. Die „Kritischen Beobachter“ (20 Prozent) verfolgen in erster Linie einen neutralen Informationsjournalismus und politische Kontrollfunktionen.

3. Demgegenüber wenden sich die „Kontrolleure“ (15 Prozent) gegen die neutrale Informationsvermittlung; sie wollen primär ihre eigenen Ansichten präsentieren.

4. Die „Unterhalter“ (12 Prozent) betonen die Entspannungsfunktion des Journalismus und lehnen sowohl politische als auch rein informierende Ziele ab.

5. Die „Ambitionierten“ (19 Prozent) wollen möglichst alle diese Ziele erreichen.

6. Während die „Anspruchslosen“ (13 Prozent) einen eher passiven Journalismus befürworten.

(Kommunikatorforschung Lernmodul 4: Akteure)

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