Gatekeeper- Ansatz

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Der Amerikaner Kurt Lewin (1980-1947), der während des zweiten Weltkrieges das Einkaufsverhalten amerikanischer Hausfrauen sozialpsychologisch untersuchte, entwickelte dabei ursprünglich den Gatekeeper- Ansatz. (Löffelholz, 2004, 42)

Diesen hat David Manning White 1950 (Literaturliste Journalismusforschung) auf die Journalismusforschung übertragen und zitiert Lewin dabei mit folgender Aussage: „The traveling of a news item through certain communication channels was dependent on the fact that certain areas within the channels functioned as ‘gates’.” (Löffelholz, 2004, 42)


Torwächter
Diese Tore würden entweder von unparteiischen Regeln oder von Torwächtern bewacht. Die Torwächter entscheiden dann, welche Nachricht reingelassen wird und welche nicht. Um die Funktionsweise dieses Tors zu verstehen, muss man die Faktoren kennenlernen, die die Entscheidung der Gatekeeper bestimmen.

White untersuchte in seiner Studie, wie die Gatekeeper ihr Tor im komplexen System der Kommunikation bedienen, und kam zu dem Schluss, dass eine Nachrichtenstory von einem Torwächter zum nächsten gereicht wird und somit nach und nach den gesamten Kommunikationskanal entlang wandert. In der Redaktion geht es vom Reporter zum redigierenden Kollegen zum Chefbüro usw.

Ein Prozess, der geprägt ist von ständiger Auswahl und dem Ausschließen einiger Nachrichten. Am Ende steht der Herausgeber, der die letztendliche Auswahl dessen trifft, was wo veröffentlicht werden soll. Demnach ist Nachrichtenselektion das Ergebnis eines individuellen Auswahlverhaltens nach persönlichen Vorlieben, Abneigungen und Interessen.

„Die Entscheidungen des als isoliert vorgestellten ‘Mr. Gates’ erscheinen als persönliche Auswahl nach subjektiven Präferenzen, ohne dass dessen Eingebundensein in die Redaktion oder die den Entscheidungen zugrunde liegenden professionellen Normen in die Untersuchung eingegangen wären.“ (Raabe, 2005, 34-35)

Mit dieser personenzentrierten Betrachtung reduzierte White seine Analyse freilich auf die Betrachtung der individuellen, von strukturellen Bedingungen scheinbar unabhängigen Auswahlentscheidungen des Gatekeepers, so dass die Studie trotz einer empirisch-analytischen Vorgehensweise einen methodologisch-individualistischen Ansatz verfolgte. Erst die empirisch begründete Einsicht, dass die Selektion von Nachrichten auf komplexeren Prozessen beruht, weitete den Blick (vgl. Löffelholz, 2004, 42/ Raabe, 2005, 34-35) und die verengte Perspektive des Individualjournalismus wurde nach und nach durch komplexere Gatekeeper-Konzepte ersetzt, die bald auch institutionelle und systemorientierte Elemente integrierten.

Mit dieser zunehmend organisationsbezogenen Perspektive bereitete die Gatekeeper-Forschung „den Boden für eine im weitesten Sinn systemtheoretische Herangehensweise.“ (Löffelholz, 2004, 44)


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Bildquelle: http://www.hillsidehistoricdistrict.com/userlogin.htm


Literatur:

Löffelholz, Martin. 2004. Theorien des Journalismus. Eine historische, metatheoretische und synoptische Einführung. In: Löffelholz, Martin (Hrsg.) Theorien des Journalismus. Ein diskursives Handbuch. 2. Auflage. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag. 17-63.

Raabe, Johannes. 2005. Die Beobachtung journalistischer Akteure. Optionen einer empirisch-kritischen Journalismusforschung. Wiesbaden: VS-Verlag.

(Reers)

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