Goffmann: Framing

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Der Terminus Framing geht auf den US-amerikanischen Soziologen Erving Goffman (1922-1982) zurück, der diesen erstmals 1974 einführte. Auf Deutsch ist auch der Begriff Rahmen-Analyse gebräuchlich. Eine erste Systematisierung erfuhr das Konzept durch Snow u.a. Auch in der Psychologie ist Framing als eine stärkere Form des Priming bekannt. Beliebt ist Framing vor allem deshalb, weil es eine mächtige Terminologie zur Beschreibung des Einflusses von Medien liefert, auf Mikro- wie Makroebene und sowohl bezogen auf die Seite der Rezipienten, als auch auf die Seite der Medienmacher.


Inhaltsverzeichnis

Definition

Framing bezeichnet das Einbetten eines Themas in ein bestimmtes Bedeutungsumfeld. Laut Goffman sind Frames grundlegende kognitive Strukturen, die die Wahrnehmung und Widerspiegelung von Realität lenken. Im Allgemeinen werden Frames nicht bewusst erzeugt, werden jedoch unbewusst während des kommunikativen Prozesses übernommen. Vereinfacht lässt sich sagen, dass Frames durch eine bestimmte Themenstrukturierung die Blickrichtung des Informationsprozesses vorgeben und regeln, welche Teile einer dargebotenen Realität wir mit hoher Wahrscheinlichkeit bemerken.


Framing nach Robert Entman

Der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Robert Entman erforschte die politische Berichterstattung in den Nachrichtenmedien und beschrieb mittels Frames, wie diese durch Wortwahl und Kontextualisierung die Meinungsbildung und das Weltbild der Rezipienten maßgeblich prägen.

Laut Entman bietet das Konzept des Framing einen Weg, die Macht eines Textes zu beschreiben. Die Analyse von Frames wirft Licht auf die genaue Art, in der ein bestimmtes menschliches Bewusstsein durch den Transfer von Informationen beeinflusst wird.

So erschien z. B. bei der Berichterstattung über den Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 des Senders CNN binnen weniger Minuten ein Logo im Bild, das eine amerikanische Flagge und das Motto "America's New War" zeigte. Damit wurde der Anschlag von Anfang an in die Frames "Krieg" und "Patriotismus" eingeordnet, obwohl die Identität der Attentäter zu diesem Zeitpunkt nicht feststand. Das Motto wurde später durch andere Print- und Fernsehmedien übernommen und somit zu einem Schlüsselbegriff, der von vorneherein einen bestimmten Kontext vorgab.


Die Manifestation von Frames in Texten

Hierbei kennt Entman zwei Schlüsselprinzipien: Selektion bezieht sich auf die Auswahl bestimmter Aspekte einer wahrgenommenen Realität, die Salienz auf das Hervorstechen ausgewählter Informationen aus dem Text.

Der Begriff der Salienz wurde von den Psychologinnen Susan Fiske und Shelley E. Taylor geprägt und wird von Entman folgendermaßen definiert:

(Salience is about) making a piece of information more noticeable, meaningful, or memorable to audiences. An increase in salience enhances the probability that receivers will perceive the information, discern meaning and thus process it, and store it in memory.

Salienz ist also ein Produkt der Interaktion von Texten und Rezipienten. Ihr Vorhandensein garantiert jedoch nicht, dass sie das Denken der Rezipienten auch beeinflussen. Durch Salienz und Selektion fördert der Kommunikator lediglich eine bestimmte Definition oder Interpretation des beschriebenen Ereignisses.


Funktionen und Orte von Frames

Frames haben demnach diagnostische, wertende und verordnende Funktionen. Sie...

  • definieren Probleme (meist hinsichtlich bestimmter kultureller Normen und Werte)
  • diagnostizieren die Ursachen
  • werten moralisch
  • schlagen Lösungen vor und
  • legen Bezugsgrößen fest.

Als Beispiel mag hier erneut der „Anti-Terror“-Frame dienen, der zu Anfang des Irakkriegs die US-Nachrichten dominierte. Er stellt gewisse Ereignisse (den 11. September) als Problem heraus, identifiziert deren Ursache ( Al Quaida, Sadam Hussein etc.), bietet moralische Urteile an (religiöser Fanatismus) und schlägt bestimmte Lösungen vor (Präventivkrieg).

Frames wirken dabei auf verschiedene Art und Weise, z.B. durch...

  • Kategorien
  • Stereotypen
  • Wortwahl
  • Wiederholung
  • Auswahl bzw. Weglassen
  • Platzierung
  • kulturell bekannte Symbole/Schlüsselworte

... und führen somit den Prozess der Informationsaneignung der Rezipienten. Historisch gesehen kann Framing daher als Rückgriff auf die Theorien der "mächtigen Medien" der 50er und 60er Jahre verstanden werden. Allerdings ist der Rezipient nicht zur Passivität verdammt. Zum einen muss ein Frame glaubwürdig dargebracht werden, um vom Rezipienten übernommen zu werden. Zum anderen hat dieser nach dem Modell die Möglichkeit, eigene Frames anzuwenden, die vom Kommunikator der Nachricht nicht intendiert sind. So könnte ein Rezipient den besagten "Anti-Terror"-Frame auch mit anderen Frames wie "Kriegstreiberei", "Kampf um Öl" oder "Diskriminierung" in Verbindung bringen.

Die Orte von Frames sind daher...

  • der Kommunikator
  • der Text
  • der Rezipient
  • die Kultur

... die sich allesamt gegenseitig beeinflussen und bedingen.


Entmans Begriff von Dominant meaning

Dominant meaning hat Bedeutung in Debatten über das Dekodieren von Medientexten, Polysemie (Mehrdeutigkeit) und Publikums-Unabhängigkeit (audience independence).

Von einer Framingperspektive aus gesehen besteht das Dominant meaning aus den Interpretationen eines Sachverhalts, die die höchste Wahrscheinlichkeit besitzen, wahrgenommen und dadurch verarbeitet und akzeptiert zu werden. Eine dominante oder bevorzugte (preferred) Bedeutung suggeriert ein gewisses Framing der Situation, das durch den Text unterstützt wird und den meisten Publikumsschemata entspricht.

Es gibt also Wege, ein Problem in einer Weise darzustellen, dass man Zustimmung von einer Mehrheit der Rezipienten erwarten kann. Entman sieht darin direkte Auswirkungen auf das Konzept der Demokratie. (Olligschläger)


Literatur

  • Entman, Robert M. 2002: Framing: Towards Clarification of a Fractured Paradigm. In: McQuail, Denis (Ed.). 2002: McQuail's Reader in Mass Communication Theory. London, Thousand Oaks, New Delhi: 390-397.
  • Entman, Robert M. 2004: Projections of Power : Framing News, Public Opinion and US Foreign Policy.. Chicago: University of Chicago Press.
  • Goffman, Erving 1974: Frame Analysis. New York: Harper.
  • Kahneman, David und Tversky, Amos (1984): Choices, Values and Frames. American Psychologist, 39: 341-369.
  • Snow, David A., E. Burke Rochford, Steven K. Worden und Robert D. Benford 1986: Frame Alignment Processes, Micromobilization, and Movement Participation, American Sociological Review 51: 464-481.
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