Lazarsfeld: Der Zwei-Stufen-Fluss der Kommunikation

Aus MedienWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die 1940 während der amerikanischen Präsidentschaftswahlen in Erie-County (Ohio) von Paul Felix Lazarsfeld bei 600 Personen durchgeführte Panel-Studie eröffnete die Kritik am Konzept der direkten einseitigen Wirkung der Massenmedien. Die während der siebenmonatigen Testphase gewonnenen Ergebnisse führten zur Formulierung des Zwei-Stufen-Flusses der Medienwirkung und zur Entdeckung der Meinungsführer. Hierdurch sollte der besondere Stellenwert der interpersonalen Kommunikation hervorgehoben und verdeutlicht werden, dass neben der unmittelbaren Wahrnehmung von Massenmedien und Wahlveranstaltungen besonders die persönlichen Kontakte von großer Bedeutung sind (vgl. Jäckel 1999: 102). Die verwendete Panel-Methode ermöglichte es, die veränderte Wahlabsicht bei Personen über einen längeren Zeitraum hinweg zu dokumentieren. Zudem wurde aufgezeigt, dass die politischen Prädispositionen der Bürger wichtiger als deren Mediennutzung sind (vgl. Bonfadelli 1999: 134f.).

                        Visualisierung des Two-Step-Flow of Communication

Bild:Two Step Flow.JPG

Quelle: Bonfadelli 1999: 136.


Kritik am Zwei-Stufen-Fluss der Kommunikation

Kritisiert wird das Konzept in konzeptioneller Hinsicht wegen der Fixierung auf nur zwei Stufen des Kommunikationsprozesses, aufgrund der Vermischung von „Information“ und „Beeinflussung“ sowie in methodischer Hinsicht wegen der Selbsteinschätzung der Meinungsführer. Zudem wurde dem Konzept die rigide Aufteilung in „Meinungsführer“ und „Gefolgsleute“ angekreidet. Der Prozess der interpersonalen Kommunikation ist nämlich komplexer als dies in der Zwei-Stufen-Theorie zum Ausdruck gebracht wird, und vor allem die „Inaktiven“ müssen größere Berücksichtigung finden (vgl. Bonfadelli 1999: 137-138).


Das Konzept des Meinungsführers

Meinungsführer sind Personen, die sich besonders intensiv am Wahlkampf beteiligen und in ihrem Umfeld bei politischen Fragen um Rat gebeten werden. Sie zeichnen sich durch ein höheres politisches Interesse, eine kosmopolitische Orientierung, eine höhere Mediennutzung und eine höhere Aufmerksamkeit für die Gruppe aus. Da es in jeder sozialen Schicht Meinungsführer gibt, handelt es sich um horizontale, nicht um vertikale Beeinflussung. Nach Katz basiert die Meinungsführerschaft auf einer Kombination aus persönlichen und sozialen Merkmalen:

  • „wer man ist“ oder die Personifizierung bestimmter Werte
  • „was man weiß“ oder die Kompetenz in bestimmten Bereichen
  • „wen man kennt“ oder strategische soziale Platzierung (vgl. Bonfadelli 1999: 136-137). (Sturm)
Persönliche Werkzeuge