Noelle-Neumann: Macht der Schweigespirale

Aus MedienWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Generell ist seit den 70er Jahren eine Neuorientierung der Medienwirkungsforschung zu erkennen, bei der die folgenden Akzentverschiebungen sichtbar werden:

  • Inhaltsspezifische vs. kommunikationsspezifische Effekte
  • Effekte als Produkt oder Prozess
  • Einstellungen vs. Kognitionen
  • Effekthierarchie
  • Mikro- vs. Makroebene (vgl. Bonfadelli 1999: 24f.).

Die von Elisabeth Noelle-Neumann in diesem Zeitraum entwickelte Theorie der Schweigespirale basiert auf den Grundkonzepten der Einstellungs- und Gruppentheorie und steht somit in der Tradition der Wahlforschung von Paul Lazarsfeld. Noelle-Neumann geht von der Prämisse "Return to the Concept of Powerful Mass Media" aus und sieht die Wirksamkeit eines Mediums als umso stärker an, je weniger es den schützenden Mechanismus der selektiven Wahrnehmung zulässt. Dies trifft für sie am besten auf das Fernsehen zu. Dessen starkes Wirkungspotential fasst sie in drei Begriffen zusammen:

  • Kumulation
ist als stete Wiederholung von Botschaften eine Folge der Periodizität und der Agenda-Setting-Funktion der Medien.
  • Konsonanz
beinhaltet bewertungsmäßige Ähnlichkeiten in publizistischen Aussagen, die nicht auf der Übereinstimmung mit der Wirklichkeit basieren, sondern durch die selektive Auswahl der Kommunikatoren entsteht (aufgrund von übereinstimmenden Nachrichtenwerten oder politischen Präferenzen der Journalisten).
  • Öffentlichkeitseffekt
Es ist allgemein bekannt, dass alle eine Botschaft sehen, hören und erfahren können (vgl. Bonfadelli 1999: 148).

Bis heute ist die These vom wahlentscheidenden Einfluss des Fernsehens jedoch umstritten geblieben. Da dem Reden und Schweigen in öffentlichen Situationen eine unterschiedliche Bedeutung zukommt, spricht Noelle-Neumann von einer ‚Schweigespirale’. Es handelt sich um einen Prozess, der durch die Artikulationsbereitschaft und die Isolationsangst der Menschen bestimmt wird. Hierbei ist entscheidend, welches Meinungsklima jeder Einzelne zu registrieren glaubt. Es kann aber auch Situationen geben, in denen das Meinungsklima der Bevölkerung und der allgemeine Medientenor auseinander fallen. Diese Konstellation wird mit dem Begriff des ‚doppelten Meinungsklimas’ zum Ausdruck gebracht (vgl. Jäckel 1999: 233-235). (Sturm)

Persönliche Werkzeuge